Wie Bauer Hein den
Zöllner betrog.
„Aus Langenhorns Vergangenheit“
von Karl Schlüter
Es ist schon lange her, daß zwischen Holstein und Hamburg eine Zollgrenze bestand. Eine Zollstation war, neben vielen anderen, an der Langenhorner Chaussee, nahe der Gastwirtschaft „Zur Grenze“. Diese Stelle heißt auch heute noch „Ochsenzoll“.
Manch heitere Geschichte hat sich hier zugetragen:
Wie es sein muß, waren die Leute vom Zoll strenge und pflichtbewußte Männer. So leicht kam keiner, der seinen Zoll auf die Ware nicht entrichtet hatte, durch die Sperre. Dieses wußte auch Bauer Hein aus Glashütte, der seinen Torf in Hamburg verkauft hatte und auf dem Weg nach Hause war.
Beim Zoll wurde er angehalten, und es wurde ihm die Frage gestellt, was er in seinem Sack habe, der hinten im Wagen lag. Hein meinte zu dieser Frage nur: „Is man bloß een bissigen Köder bin.“
Nun entstand ein hin und her. Hein sollte den Sack aufmachen, jedoch war er ganz und gar nicht damit einverstanden. Aber er mußte nachgeben und das tat er auch mit den Worten: „Wenn dat sien mut, denn man tau“.
Der Sack wurde aufgemacht und „Husch“ mit lautem Gekläff sauste ein struppiger Hund heraus, durch die Beine des Bauern, und fort war er. Bauer Hein mit dem leeren Sack hinterher. Aber nach nicht allzu langer Zeit kam er wieder.
„Na, haben Sie den Hund gefunden?“ war die Frage des Beamten. „Jo, hett ober een barch Arbeit kost. Tum tweten Mol mack ich den Büddel ober nich op“, erwiderte Hein, warf den Sack auf den Wagen und zog mit seinem Gespannwerk los. Keiner hielt ihn zurück; denn man war der Meinung, in dem Sack befände sich der Hund.
Es war aber nicht mit der Schlauheit unseres Heins gerechnet worden. Als er zurück ging, suchte er nicht den Hund, den hatte er nur aufgegriffen, vielmehr füllte er den Sack mit Verzollbahren Waren, die er in Hamburg von dem Erlös des Torfes erworben hatte.
Gewundert haben sich die Leute vom Zoll nur darüber, daß in der folgenden Zeit des öfteren ein Bauer einen Hund aus Hamburg mitbrachte, der dann immer beim Ochsenzoll wieder zurücklief.
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Die Garstedter
Bauersfrau.
„Aus Langenhorns Vergangenheit“
von Karl Schlüter
Dort, wo heute beim Bahnhof Ochsenzoll die chemische Reinigung liegt, befand sich vor vielen Jahren eine Gastwirtschaft mit Namen „Zum hungrigen Wolf“. Hier verkehrten sehr viele Schmuggler, packten ihre Waren um und bereiteten sich für den Gang über die Zollgrenze vor. Eines Tages, es war mitten im strengen Winter, kehrte eine Garstedter Bauersfrau ein. Sie hatte in Hamburg einen größeren Posten Zeug gekauft. Im „Hungrigen Wolf“ wollte sie die Ware unter ihrer Kleidung unterbringen. Sie ließ sich in ein Zimmer führen, wo sie sich umkleiden konnte.
Das Zimmer war gut geheizt durch einen mächtigen Beileger- Ofen, dessen eiserne Platte neben anderen Verzierungen die Jahreszahl 1741 trug. Die Frau zog sich vor dem Ofen völlig aus und wollte das Schmuggelgut unmittelbar um den Leib legen. Sie bückte sich, um das Zeug aufzunehmen, berührte mit ihrer Sitzfläche die glühende Ofenplatte, und im Nu war ihr hinten die Jahreszahl 1741 mit Randverzierungen eingebrannt. Trotz der schmerzenden Brandwunde beendete die Frau ihren Schmuggelgang und brachte ihre Beute glücklich nach Hause.
Die Brandwunde aber entzündete sich. Sie
war gezwungen, den Wundarzt, den alten Mohrenweiser, holen zu lassen. Der
besah sich die verzierte Kehrseite der Frau, las die Jahreszahl 1741 und
meinte kopfschüttelnd: „Ja, mien lebe Fro, dat is je alln ganz olen Schoden,
wenn ick dorbi man noch veel moken kann.“
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Herr Nesselstrauch
schmuggelt.
„Aus Langenhorns Vergangenheit“
von Karl Schlüter
Johannes
Nesselstrauch, ein Original, hatte sich ein neues Nachtgeschirr gekauft,
das er verzollen sollte. Schwupp, kehrte er um, ließ sich im nahen
Grünwarenladen für fünf Pfennig rote Beete und etwas Sand
in das Gefäß tun, deklarierte nun auf der Accise seinen zu verzollenden
Gegenstand als Nachttopf mit Inhalt, worauf er ohne Zoll davonkam.
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Die Höflichkeit
des Herrn Helmke.
„Aus Langenhorns Vergangenheit“
von Karl Schlüter
Herrn Helmke, jedoch wurde seine außergewöhnliche Höflichkeit zum Verhängnis. Er wurde beim Schmuggeln erwischt, denn er hatte nicht daran gedacht, daß er in seinem hohen Spint (Zylinder), den er immer trug, eine Partie Kaffeebohnen untergebracht hatte. Als er durch den Zoll ging, sagten die Zollwächter: „Guten Tag, Herr Helmke“. Worauf er sehr höflich seinen Zylinder lüftete: „Guten Tag, guten Tag, meine Herren“ erwiderte er, wobei ihm die Kaffeebohnen über das Gesicht trudelten.
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Die Geschichte vom Bärenhof in Hamburg - Ochsenzoll.
Ein sehr begüterter Hamburger Makler namens Emil Römling legte
den Bärenhof um die Jahrhundertwende am Ochsenzoll Ecke Langenhorner
Chaussee / Stockflethweg an, nachdem er zuvor den Semmelhackschen Bauernhof
erworben und das alte weichgedeckte Haus abgerissen hatte.
Römling war ein weitgereister Mann. Im fernen China hatte er durch
den Verkauf von Nähnadeln ein großes Vermögen angesammelt,
hieß es. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, galt er jedoch bald
als Sonderling. Mehr und mehr verzauberten ihn verwunschene Schlösser,
wehrhafte Burgen, verschnörkelte Türmchen und starkes Gemäuer.
Der Volksmund dichtete, dies' sei ein Erbteil seiner Vorfahren, die im Württembergischen
als kühne Raubritter gehaust haben sollen.
Da solche Bauten und Ruinen in unseren Breiten selten waren, schuf Römling
sich am Ochsenzoll seine „eigene Burg“.
Zuerst ließ er Hauptgebäude und Hexenturm errichten. In den Turm
zog ein altes Fräulein ein, das Römling mit "Turmhexe" anzusprechen
pflegte und dafür, daß es dies duldete, mietfrei wohnte. Außer
der leibhaftigen belebte auch noch eine ausgestopfte Hexe die Räume.
Sie saß an seinem Tisch, wenn er aß und trank, und mit ihr mußte
die Brotfrau, die alle paar Tage erschien und eine Schwäche für
Kognak hatte, auf dem Hofplatz tanzen. Ochsenzolls Jugend hatte ihr Gaudium
daran. Römling stellte eigens zu diesem Zweck in der sogenannten Kapelle
ein Grammophon mit dem damals üblichen großen Trichter auf. Manches
Mal holte er auch Burschen und Mägde heran und ließ sie für
fünf Groschen mit seiner Stoffhexe tanzen. Darüber brach er alsbald
in ein höllisches Gelächter aus.
Römling erwarb ständig zum Teil damals schon wertvolle Antiquitäten
und Plastiken aus nah und fern und sammelte sie auf dem Bärenhof. So
kaufte er beim Abbruch des alten Zollhauses St. Annen in Hamburg Fenster,
Türen und ganze Holztäfelungen auf.
Der Maurer Korl Eenbeen - so genannt wegen eines künstlichen Beines-
und der Arbeitsmann Jochen Kobei hatten von Römling den Auftrag erhalten,
alle diese merkwürdigen Mauerbrocken, Plastiken, Wappen und Fenster
mit Jahreszahlen aus längst vergangenen Zeiten in Bauten und Ruinen
einzufügen.
Als älteste Jahreszahl soll damals 1547 eingemeißelt gewesen
sein. Der Reliefschmuck einer Wappenzeichnung mit zwei Sternen über
dem Tor zum Hexenturm trägt noch heute die Zahl „1580“, wäre somit
also ältestes historisches Zeugnis am Platze.
Ursprünglich zierte auch ein Brunnenhäuschen das Gelände.
Römling erstand es beim Freiherrn von Pohl aus dessen Wintergarten am
Klosterstern. Die Pumpe darin lieferte später viele Jahre hindurch den
Bewohnern des Bärenhofs kostbares Wasser. Längst ist sie verschollen.
Seinen eigenartigen Namen trug der Bärenhof zu Recht. Römling
nämlich hielt dort eine Zeitlang Bären und sogar einen "Bärenjäger",
Vadder Vels. Der konnte nun zwar notfalls zahme Bären füttern;
wilde bekam er jedoch niemals zu Angesicht.
Eine unheimliche Geschichte ging damals von Mund zu Mund. Bauern aus der
Nachbarschaft hatten sich nach langem Zögern zusammengetan, um mit dem
zottigen Spuk am Ochsenzoll endlich aufzuräumen. Einer der frei umhertollenden
Bären drehte jedoch den Spieß um; er biß einen der Wagemutigen.
Die anderen suchten schleunigst das Weite. Römling dagegen fand Spaß
an diesem ungleichen Bärenkampf. Vom Fenster aus hatte er alles beobachtet,
und wenige Tage später ließ er am Haus diese Inschrift eingravieren:
„Wer sich will kratzen mit dem Bär'n, des Haut muß erst noch dicker wer'n“ !
Wohl war der Angriff auf seine Lieblingstiere siegreich abgeschlagen worden.
Seiner Bären durfte Römling sich dennoch nicht mehr lange erfreuen.
Die Ordnungsbehörde schritt ein, die Bären wurden in Hagenbecks
Tierpark gebracht. Das Relief eines grimmig dreinschauenden Bären aber
mit furchterregenden langen Krallen hat sich bis heute auf dem Hof erhalten.
Später verkaufte Römling seine Langenhorner Anwesen, so auch seinen
Burghof. Er zog nach Süddeutschland. Die Inflation nach dem 1. Weltkrieg
brachte ihn um den Rest seines einst so beachtlichen Vermögens. Völlig
verarmt, wurde er nach seinem Tode in der neuen Heimat auf Gemeindekosten
zu Grabe getragen.
Der Bärenhof entwickelte sich nach dem Umbau zu einer gern besuchten
Gaststätte. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges veräußerte
der Gastwirt die Gebäude. Abermals wurde der Hof umgestaltet. Ein paar
Einzelhändler ließen sich nun darin nieder. Hinter den Regalen
ihrer kleinen Läden verbergen sich heute noch die letzten Zeugen einstiger
Pracht.
„Fünf Sinne hat der Mensch, also muß auch ich fünf Türme
bauen“, pflegte Römling zu sagen. (Die Spitzhacke verschonte zwei Türme,
darunter den Hexenturm). Bewohner der Gegend aber hegten oft genug Zweifel,
ob der Ausspruch von den fünf Sinnen auch auf ihn - diesen Sonderling
- zuträfe.
Detlev Ehlers
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Die Traumbuche auf dem Venusberg
Wer, von der Stadt kommend, der Langenhorner Chaussee nach Norden folgt,
stößt eine Viertelstunde Fußwegs vor dem Ochsenzoll zur
Linken auf eine Flur, die von alten Anwohnern „Venusberg" genannt wird. Sie
liegt unweit der Stelle, an der der Neubergerweg in die Chaussee einmündet.
Allerdings kann man heute dort keinen Berg, nicht einmal einen Hügel
entdecken; nur eine leichte Bodenwelle deutet noch den Ort an, wo sich einst
ein Hügelgrab erhob, eben jener Venusberg. Früher wurden nämlich
auch Hügel als Berge bezeichnet. Dabei hieß dieser Hügel am
Tükkobsmoor wohl ursprünglich der Veensbarg das ist Sumpf
- oder Moorberg, und war - wie der Lustberg in Fuhlsbüttel- eine vorgeschichtliche
Grabanlage längs des alten Heer- und Ochsenweges. In christlicher Zeit
brachte die Kirche die Stätten heidnischen Ahnenkults in Verruf, und
die Gläubigen mieden sie, weil sie sich vor Zauberei und bösem Geisterspuk
fürchteten. So wurde auch aus dem Veensbarg ein Venusberg, ein Berg
der Zauberin Venus, auf dem es nicht immer mit rechten Dingen zuging. Auf
diesem Berge, so erzählt die Sage, wuchs vor Zeiten eine mächtige
Buche, an derem Stamme stets eine dicke Kröte saß, die niemand
anders als die verzauberte Frau Venus selbst war. Die Buche aber war eine
richtige Traumbuche. Die Jungfrau nämlich, die in der ersten Frühlingsnacht
unter ihren Zweigen von ihrem Liebsten träumt, wird unversehens Macht
über ihn gewinnen und als Ehgemahl heimführen. Doch währt das
Glück nur kurze Zeit, nur bis zum nächsten Neumond, dann müssen
die Liebenden dafür mit dem Leben zahlen. Man schreibt das Jahr 1591.
Pawel Knacke hat Anna Krohn, die Witwe vom Vogtshof geheiratet und wird nun
selbst Vogt in Langenhorn. Seine Tochter Lena kommt mit ihm auf den Hof. Sie
ist drall und kräftig und so breit wie ein Heuwagen; ja, sie ersetzt
ihm einen Knecht, weil sie unverdrossen und unermüdlich bei der Feldarbeit
zupackt und mit den jungen Männern wetteifert. Und doch wird sie von
den Burschen gemieden, keiner fordert sie beim Erntefest zum Tanze auf, kein
Freier hält um sie an, denn sie ist mall und dösig im Kopfe. Wie
aber doch einmal der Nachbarsohn Gerd Framheim, der schmuckste Bursche im
Dorfe, zum Scherze die Polka mit ihr tanzt, ist sie sofort in ihn verliebt,
ohne jedoch von seiner Seite auf Erwiderung ihres Gefühls zu stoßen.
Alle Versuche, seine Zuneigung zu erringen, schlagen fehl, und schon kommt
sie ins Gerede, dem Burschen nachzulaufen. Da hofft sie, auf dem Venusberg
Hilfe zu finden. In jeder ersten Frühlingsnacht schleicht sie hinaus,
um unter der Buche den Zauber zu probieren. Aber alle Bemühungen sind
vergeblich, immer träumt sie nur von Kühen und Schweinen und von
der Arbeit auf den Feldern und leider nie von dem Liebsten. Endlich, nach
vielen enttäuschenden Versuchen, stellt sich doch der ersehnte Traum
ein, und sie träumt wirklich von ihrem Gerd. Überglücklich
wacht sie am nächsten Morgen auf, legt die Kröte behutsam in ihren
Korb und rennt den Heerweg hinab ins Dorf. Aufgeregt berichtet sie dort über
den wunderbaren Traum auf dem Venusberg. Doch alle lachen sie nur aus und
lassen es auch nicht an höhnischen Bemerkungen über ihren Geisteszustand
fehlen. Wie sie aber die dicke Kröte in ihrem Korbe erblicken, die zur
Bekräftigung der Erzählung dauernd mit dem Kopfe nickt, verstummt
ihr Lachen, und Zweifel werden laut. Ungeheuer aber wird ihr Erstaunen, als
just in diesem Augenblicke Gerd Framheim daherkommt, vor Lena niederkniet
und sie küßt. Stumm ergreift er ihre Hand und führt sie hinweg
auf seinem Hof. Dort wird alles zur Vermählung gerüstet und kurz
darauf die Hochzeit gefeiert Es ist fürwahr eine große Hochzeit.
Drei Tage und Nächte hält das Tanzen, Schmausen und Trinken schon
an. Die dicke Kröte von der Traumbuche sitzt in ihrem Korb auf dem Tanzboden
und nickt immer noch mit dem Kopfe. Keiner kümmert sich um sie, auch
der Venusberg ist längs vergessen. In ihrem großen Glück will
Lena nicht mehr an den Zauber glauben; was kümmert sie die Spökelei.
Die vierte Nacht, die Neumondnacht, bricht an. Vom Westen her türmen
sich dunkle Wolken über dem Schattbrook auf, und kurze, heftige Windstöße
jagen über das Moor. Ein böses Unwetter zieht herauf. Die Tanzmusik
verstummt, und die Hochzeitsgäste drängen nach Hause. Da zuckt
der erste Blitz auf und schlägt gleich in das Hochzeitshaus ein. Im
Nu steht das Dach in Flammen, und das Haus brennt lichterloh. Es brennt bis
zu den Grundmauern nieder, nichts kann gerettet werden, auch Lena und Gerd
kommen im lodernden Feuer um. Augenzeugen, die zum Löschen herbeieilen,
berichten später, daß nur eine dunkle Gestalt aus der feurigen
Glut in die Wolken emporgestiegen und dann entschwunden sei. Vom Ende der
Traumbuche erzählt die Überlieferung nichts; den Venusberg aber
haben Schatzsucher aufgegraben und nach Gold durchwühlt. Noch hundert
Jahre später ist er als auffälliger Hügel vorhanden, und der
Hamburger „Constabler und Kartograph“ Georg Ferdinand Hartmann zeichnet ihn
1750 als markanten Geländepunkt in seine Karte von Langenhorn ein. Im
19. Jahrhundert wird er beim Ausbau der Langenhorner Chaussee vollends abgetragen,
und heute kündet nur noch ein Flurname von den Ereignissen, die dort
einst ihren Anfang nahmen.
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Die Tarpenkate.
Im äußeren Südzipfel des dänischen Herzogtums Holstein-
am Tarpenbek, stand vor gut hundert Jahren eine Lehmkate. Sie hockte neben
Hügelgräbern, die heute nicht mehr da sind, war damals schon uralt.
Niedrig, verfallen mit zerzaustem Strohdach stand sie noch bis zum vorigen
Jahrhundert. Dann brannte sie in den achtziger Jahren ab. Und mit ihr verbrannten
etliche vergilbte Schriftstücke in dänischer Sprache. Maria von
Abercron, die dem Elternhaus entfloh oder daraus verstoßen worden war,
fand nach trostlosen Irrfahrten in der Garstedter Heide in dieser leeren Hütte,
elend, verhungert, zerschlagen und krank, Unterkunft. Von fremden Menschen
wurde sie wieder gesund gepflegt. Sie hat den Spaten dann selbst in die schmalen
Hände genommen und ein Stückchen Heide urbar gemacht. Da die Leute
von ihr nichts wußten, wurde sie bald Tarpen- Trina genannt. Doch später
wurde sie von neuen Schicksalsschlägen getroffen, sie begann nun äußerlich
und moralisch zu verkommen und war bald als Bettlerin und Landstreicherin
bekannt. Tarpen- Trina starb am 19. Nov. 1887 und wurde in Niendorf begraben.
Nach ihrem Tode wurde erst bekannt, daß sie eine Nichte des dänischen
Königs gewesen sein soll. An Stelle der alten Kate, wo Tarpen- Trina
Zuflucht fand, stand die Wirtschaft „Zur Tarpenkate". Heute ist hier eine
türkische Begegnungsstätte.
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Schulbegriffe, durch entsprechende Filmtitel erläutert:
Schule - - - - - - - - - - - - - - - Gefängnis ohne Gitter
Schulweg - - - - - - - - - - - - - Zur Hölle und zurück
Direktor - - - - - - - - - - - - - - Herrscher ohne Krone
Lehrerkollegium - - - - - - - - Die oberen Zehntausend
Lehrer - - - - - - - - - - - - - - - Der Mann der zuviel wußte
Lehrerin - - - - - - - - - - - - - - Teufel in Seide
Ferien - - - - - - - - - - - - - - - Endstation Sehnsucht
Klassenarbeit - - - - - - - - - - Verdammt in alle Ewigkeit
In der Stunde - - - - - - - - - - Die Helden sind müde
In der Pause - - - - - - - - - - - Außer Rand und Band
Abschreiben - - - - - - - - - - - Schmutziger Lorbeer
Vor der Klassenarbeit - - - - - Die Faust im Nacken
Nach dem Zeugnis - - - - - - - Auch Helden können weinen
Schulentlassung - - - - - - - - - Einer kam durch
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Die fünf Gebote für Senioren:
Das erste Gebot: IHR SOLLT NICHT IMMER VON KRANKHEITEN REDEN!
Irgendwas plagt doch heut‘ einen jeden.
Ein bisschen Rheuma, schlechtes Gehör,
verschlissene Knochen, das Gehen fällt schwer.
Der Kreislauf wird träger und schlechter das Sehen,
so wie einst kann man nicht mehr zum Tanzen gehen,
Ja, man ist alt, das Gedächtnis kriegt Sprünge,
es kommen noch mehr unangenehme Dinge.
Trotzdem ist das Leben immer noch schön,
man muss nur die kleinen Dinge seh‘n:
Wie die Schneeglöckchen so tapfer steh‘n,
Kinder sich beim Spiele dreh‘n,
Osterglocken heraus sich schieben,
die Sträucher sich schmücken mit neuen Trieben.
Und über allem lacht die Sonne.
Freunde, das Leben ist doch eine Wonne
Das zweite Gebot: IHR SOLLT MIT EURER RENTE NICHT SPAREN!
Ihr habt sie erschuftet in vielen Jahren.
Jetzt gönnt Euch noch etwas Schönes vom Leben,
nicht alles sollt ihr den Enkeln geben.
Ihr habt nach dem Krieg mit Null angefangen,
so ist es den Jungen noch nie ergangen.
Und immer in‘s gemachte Bett sich zu legen,
ist nicht unbedingt ein Segen.
Haut mal auf die Pauke, macht es Euch schön,
wer weiß, wie die nächsten Tage ausseh‘n.
Doch noch lacht über allem die Sonne.
Freunde, das Leben ist doch eine Wonne!
Das dritte Gebot: lHR SOLLT EUCH NOCH IN DER WELT UMSEHEN.
Nicht immer in den hiesigen Stadtgarten geh‘n.
Fahrt in‘s Gebirge oder auch an die See,
gönnt Euch die Sonne, das Wasser, den Schnee.
Es treibt Euch niemand, jetzt habt Ihr Zeit,
die Welt ist so schön und herrlich weit.
Auch in‘s Ausland fahren, ist kein Problem,
mit Bus oder Bahn reist es sich bequem.
Man besichtigt dabei manche tolle Stadt
und genießt, was das Hotel zu bieten hat.
Dann erfreut jeden wieder die heimische Sonne.
Freunde, das Leben ist doch eine Wonne!
Das vierte Gebot: IHR SOLLT AUCH NIEMALS RESIGNIEREN.
Lasst vom Gerede der Leute Euch nicht irritieren.
Seid Ihr noch zusammen, ein älteres Paar,
seid dankbar dafür, es ist wunderbar.
Einsamkeit kann oft schrecklich sein,
sucht die Gesellschaft, bleibt nicht allein.
Zusammen leben, zusammen reisen,
zusammen ausgeh‘n, zusammen toll speisen.
Gebt Wärme, genießt Gemütlichkeit,
vor allem auch die Zärtlichkeit.
Es gibt nichts Schöneres unter der Sonne.
Freunde, das Leben ist doch eine Wonne!
Das fünfte Gebot: EURE HÄNDE SOLLT NICHT IN DEN SCHOSS IHR LEGEN.
Ihr sollt, so Ihr könnt, Geist und Glieder bewegen.
Geht Schwimmen und Wandern, macht Gymnastik und Tanz,
dann bleibt Ihr fit und es gibt Euch Glanz.
Und so trainiert Ihr den Verstand:
interessiert Euch für alles Neue im Land.
Die Welt dreht sich schneller als je zuvor,
bei Diskussionen spitzt das Ohr,
sprecht mit den Jungen, so lernt Ihr dazu,
denn der Geist braucht Bewegung und nicht die Ruh.
So steht Ihr noch lange und frisch in der Sonne.
Freunde, das Leben ist doch eine Wonne!
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Lang is dat nu all her.
Dor heff ik mol so spekuleert,
wat in de Johr is all passeert.
Wenn ik mi dat so överlech,
harrn wi dat fröher uk nich schlecht.
Denn wat se hüt erst leern in`n Kursus,
dat weer för uns dachdächlich Usus.
Wie ist dat denn mit „Kreativität“,
oder wie dat dore Fremdwort heet?
Keener wuss wat dat is,
aber dat is doch wull ganz gewiß:
Wie kunnen Sirup, Seep un Puddings kaken,
Börsten, Käs un Bodder maken,
kunnen ut Sacktau Faden spinnen,
Kleeder weben ut Wull un Linnen.
Ut selbstbute Tabak Zigaretten dreihn,
ut oole Säcke Feudel neihn,
kunnen Schnaps brennen mit Whisky-Geschmack,
un prima Schwattbrot hemm wi backt.
Ach, wat weern wi kreativ!
Bloß, wie wussen dat nich.
Mit Kommunikation harn wi uk keen Problem,
denn wer morgens na de Kopmann henkeem,
de kommonikeere lang un breet,
un wusse dann över allns Bescheed.
Mit „Trimm-Dich“ harn wi överhaupt keen Sorgen,
to Foot ging dat jeden Morgen
up de Arbeit vör een langen Dag.
Un sull man des Abends mal ut,
so kreeg man sick sien Fahrrad rut,
un mit sein eegen Muskelkraft,
hett man uk wiede Wege schafft.
So kunn man ruhig düchtig eeten
un de Kalorien vergeten.
Man sä uk nich „De is doch veel to dick“,
dat heet höchstens „Na, wat is se gut bi Schick“.
Wie hemm trimmt so manche Stunn,
bloß wie wußten dor nix vun.
Und mit de ganze Umweltschiet
dor harn wie uk keen Ärger mit.
Dat Seepenwater hem wie to`n Feudeln wort,
leere Buddeln hett man för Saft opsport,
ut oole Reifen wurrn Footmatten makt,
un mit Buschholt Middag kaakt.
Mit Torf hem wie de Stuben heizt,
un denn de Asch op Glatties streut.
Sold weer to düer, un op disse Art
wor so manche Groschen spart.
Alles wor bet to Enn opschleeten
un denn eerst in de Schietkuhl schmeeten.
So hemm wie uk de Umwelt schützt,
bloß dat hett man nich veel nützt.
Mit „Entspannung“ harn wie uk keen Last,
denn dat geef nich so`n Iel un Hast.
Dat geef keen Fernsehn mit Dodschlag un Mord,
keen Dalli-Dalli un keen Report.
Keemst du abends in de Stuuv,
neemst du dat Flickkram ut de Schuuv.
De Mann keek noch mal in dat Blatt,
un leeg in Ogenblick denn platt.
So levten wie ruhig im Stillen
un brukten keen Beruhigungspillen
un keen „Entspannungstraining“, sun Tüdelkram,
wie kunnen uk ohne in Rage kaamen.
Wi harn uk noch keen „Emanzipation“.
Wer kenn dat dore Fremdwort schon.
Aber wie weern liekers emanzipiert,
bloß man hett dat nich so spöört.
De Männer hemm dat öberhaupt nich markt,
denn wat harn se suns wull quarkt.
Ja, dat weer en annere Tiet,
un de liggt torüch nu so wiet.
Manchmal bin ik nich wiss,
ob dat nu allns beeter is.