Der Hamburger Stadtteil Langenhorn.
Ein kurzer geschichtlicher Abriß von Langenhorn.
© Aus dem Langenhorn–Archiv, von Erwin Möller.
Vor 1283 war
das Kloster Reinfeld Gutsherr über Langenhorn. In diesem Jahre übertragen Abt
und Klosterkonvent zu Reinfeld ihre Rechte über dieses Dorf an den
Landesherren, den Grafen Gerhard von Holstein und Stormarn. Langenhorn bestand
zu der Zeit aus 6 Hufen (Bauernhöfe). Die Grenzen waren auch damals schon im
Westen der Tarpenbek, im Norden der nördliche Kantstein von der heutigen Straße
Am Ochsenzoll, im Osten der Raakmoorgraben und im Süden Fuhlsbüttel.
Am 25. Januar
1332 erwirbt der Hamburger Ratsherr Nicolaus vom Berge
es von den Grafen von Holstein für 200,- Hamburger Silber. Seitdem ist
Langenhorn ununterbrochen im Hamburger Besitz geblieben.
Die Familie vom Berge, die der Stadt
Hamburg eine Reihe tüchtiger Bürgermeister geschenkt hat, blieb im ungeteilten
Besitze des Dorfes bis 1452. In diesem Jahre starb der Bürgermeister Hinrich
vom Berge, und es setzte eine Erbzersplitterung ein. Nach und nach wurden Teilstücke
dem Hospital St. Jürgen vererbt oder verkauft. Ab 1615 ist Langenhorn dann im
Ganzen im Besitz des Hospitals St. Jürgen.
Am 18. Juni
1829 des Jahres gab es einen Senats- und Bügerbeschluß wegen Abtretung der
obrigkeitlichen Rechte des Hospitals St. Jürgen an die Stadt Hamburg. Das
Hospital erhielt 20500 Hamburger Mark.
Um bessere
Verkehrsverhältnisse zu bekommen, wurde die alte Heerstraße ausgebaut. Diese
wurde 1829 am Dammtor begonnen, und verlief über den Rothenbaum, Eppendorf,
Alsterdorf, Fuhlsbüttel, bis sie im Jahre 1840 in Ochsenzoll fertig gestellt
war. Hier wurde sie dann an die im gleichen Jahr fertig gestellte Segeberger
Chaussee angeschlossen. Zur Finanzierung des Bauvorhabens wurde anschließend
ein Chausseegeld erhoben. Hier stand ein Häuschen in Ochsenzoll, eins an der
Ecke vom heutigen Raakmoorgraben, und eins am Eppendorfer Mühlenteich. Hier mußten
die Fuhrwerke ihren Betrag von 1 Schilling bezahlen. Am 1. Januar 1875 wurde
dies dann eingestellt. Das Häuschen am Raakmoorgraben wurde im Februar 1987
abgebrochen.
Im Laufe der
Jahrhunderte wechselten auch die nachbarlichen Regierungen, so errichtete die dänische
Regierung 1840 noch das Zollverwaltungsgebäude an der Langenhorner Chaussee
691, daß für den ganzen Bereich rund um die nördlichen Hamburger Gebiete zuständig
war. Später wurde es das Parkhof Hotel, zum Schluß ein Kino, daß dann im Mai
1971 abgerissen wurde. Das eigentliche Zollhaus stand an der Stelle von der
heutigen Kreissparkasse Stormarn, und wurde 1956 abgerissen.
Im Januar
1864 trat ein Heer von 21000 Österreichischer und 35000 Preußischer Soldaten
gegen 36000 Dänische Soldaten in den Krieg. Am 20. Juli standen sie an der Königsau
im heutigen Dänemark. Es trat eine Waffenruhe ein, und der Wiener Friede vom
30. Oktober 1864 machte dem Deutsch-Dänischen Kriege ein Ende. Aber das
Schicksal Schleswig-Holsteins entschied sich erst im August 1866 auf den Böhmischen
Schlachtfeldern. Im Prager Frieden trat Österreich seine Rechte an Preußen ab,
und am 24. Dezember 1866 vollzog König Wilhelm das Gesetz, durch welches
Schleswig-Holstein sich mit Preußen vereinigte. Auf Grund dieses Gesetzes fand
am 24. Januar 1867 im Schlosse zu Kiel die förmliche Einverleibung der Herzogtümer
statt. Schleswig-Holstein war eine preußische Provinz geworden.
Um das Gelände
besser zu übersehen, bekam Georg Hartmann 1750 den Auftrag, eine Flurkarte von
Langenhorn zu erstellen. Er zeichnete die Umrisse der Koppeln ein, und ließ
sich von den Bauern die dafür genannten
Namen nennen. Es sind Flurnamen, die Sie heute noch in vielen Straßennamen
wieder finden. Zum Beispiel: Wischhöfen = Wiese am Hof, Puttwiese = die Wiese
als großen Topf für die Mergelgewinnung zum Düngen, Diekwisch = die Wiese am
damaligen Teich, usw.
Im Laufe der Jahrzehnte siedelten sich
immer mehr Familien hier an, und so wurde eine Pferde- Buslinie im Jahre 1902
zwischen Ochsenzoll und Eppendorf eingerichtet. Diese Strecke rentierte sich
aber nicht, und so wurde 1903 die Strecke von Ochsenzoll nach Ohlsdorf, zur Straßenbahn
Endhaltestelle eröffnet. Von 1908 bis zur Eröffnung der U- Bahnstrecke fuhr
hier dann ein Automobil. Nach Jahrzehnte langen Beratungen ob Straßenbahn oder
Schnellbahn, wurde sich 1912 im Senat für die heutige Streckenführung der U-
Bahn entschieden. Der Bau begann 1913, und am 5. Januar 1918 wurde der
provisorische Betrieb mit einer Dampflok aufgenommen. Da nach dem Krieg die
Edelmetalle knapp waren, konnte man die Stromschienen nicht gleich mit
montieren, und so wurde erst im Juli 1921 der erste Elektrozug in Betrieb
genommen.
Die Schulverhältnisse
entwickelten sich auch sehr zaghaft. So hatte der Schulmeister 1750 nur ein Raum
in der alten Hirtenkate. 1843 wurde dann das Schulhaus an der Langenhorner
Chaussee 202 bezogen. Hier wurde bis 1886 unterrichtet. Dann bezog man den
Neubau an der Langenhorner Chaussee 140, der 1929 erweitert wurde. Nach
steigender Belästigung durch Straßenlärm und Flugzeuge wurde diese dann 1971
stillgelegt, und der Neubau an der Flughafenstraße bezogen.
Inzwischen
hatte man 1890 auch eine „Norderschule“ an der Ecke Langenhorner Chaussee
und der heutigen Essener Straße eingerichtet. 1904 wurde hier dann in einen größeren
Neubau an der Langenhorner Chaussee 515 umgezogen. Zwischen 1922 und 1929
unterrichtete hier unter anderem der Dichter Hermann Claudius. 1964 wurde dann
der Neubau am Neubergerweg bezogen.
Auch die
Kirchenverhältnisse waren am Anfang nicht zum Besten bestellt. War doch bis
1893 die St. Johannis Kirche in Eppendorf für Langenhorn zuständig. Nach dem
Bau der Lukas Kirche am Erdkampsweg war es dann diese. Erst 1930 wurde die erste
Kirche auf Langenhorner Gebiet, die Ansgar Kirche eingeweiht.
Als erstes
großes Bauvorhaben wurde 1893 das Krankenhaus Ochsenzoll eröffnet. Als
Landwirtschaftliche Kolonie für Geisteskranke von der Anstalt Friedrichsberg
errichtet, bekam es später die Bezeichnung „Irrenanstalt Langenhorn“, und
heißt nun Klinikum Nord Ochsenzoll.
Um 1914 wurde
mit dem Bau der Siedlung Siemershöh zwischen Willersweg und Moorreye begonnen,
1920 wurde die Fritz- Schumacher- Siedlung bezogen. In den 30. Jahren wurden
einige kleine Siedlungen in teilweiser Eigenleistung errichtet.
In den Jahren
1935 bis 1937 wurde das „Kettenwerk“ an der heutigen Essener Straße
errichtet, und an der Straße Tarpen die „MESSAP“. Beides auf großen Flächen
mit über dreißig Werkshallen.
Anstelle von Ketten und Mess- und Apparatebau wurden aber Zünder für Granaten
und programmierbare Torpedosteuerungen hergestellt. Für diese Präzisionsarbeit
wurden Feinmechaniker gebraucht, und da brachte man die Uhrmacher von der Firma
Junghans aus dem Schwarzwald hier her. Damit diese sich mit ihren Familien ein
wenig wohl fühlten, baute man die „Schwarzwaldhäuser“.
Im Jahre 1937
wurde auch die Kaserne an der Tangstedter Landstraße 400 errichtet. Nach dem
Krieg umgebaut, und am 24. September 1945 als AK Heidberg in Dienst gesellt.
Im Jahre 1937
trat auch das „Groß- Hamburg- Gesetz“ in Kraft. Für Langenhorn bedeutete
es, daß die südliche Grenze etwa Kurveneck- Erdkampsweg weiter nach Norden,
zum Raakmoorgraben der parallel mit der Flughafenstraße verläuft, verlegt
Die
Kriegszeit wurde verhältnismäßig heil überstanden, es gab nur einige Bomben-
Notabwürfe. Da Langenhorn in Flughafennähe liegt, wurden hier 37 Rundbunker
für über 2000 Personen und 12 Splitterschutzanlagen für 1800 Personen errichtet. Diese stehen überwiegend immer noch, da
sie schwer zu beseitigen sind.
Im Jahre 1951
wurden die ersten Neubauten hinter dem Heidberg Krankenhaus bezogen. In den nächsten
zwei Jahrzehnten waren es dann über 12 000 Wohnungen die errichtet wurden. Beim
Wohnungsbau ist es auch, bis auf einige kleinere Gewerbebetriebe, geblieben.
Im Jahre 1877
gründete man den Langenhorner Bürgerverein. Anfang des Jahrhunderts setzte er
sich dafür ein, daß unter anderem die U- Bahn gebaut wurde, die Straßen
befestigt und beleuchtet wurden, und die Sielleitungen verstärkt erweitert
wurden. Während der Kriegszeit löste sich der Verein dann auf. Im November
1952, nach der Feier der Langenhorner Heimatwoche, setzten sich engagierte Bürger
zusammen, und gründeten einen neuen Verein. Dieser wurde am 15. April
1953 als „Langenhorner Heimatverein e. V.“ ins
Vereinsregister eingetragen.
Der Zweck des Vereins ist es: